Philosophie
Kann es einen physischen Yoga, einen mentalen Yoga oder einen spirituellen Yoga geben?
Von Geeta S. Iyengar
Yoga Rahasya Vol 21, No. 3, 2014
Abhyasa Juli 2019 (Übersetzung: Maren Maurer)
Die sechs Feinde des Menschen sind Kama – Verlangen, Krodha – Zorn, Lobha – Gier, Moha – Verblendung, Mada – Stolz und Matsaya – Eifersucht. Hast du je einen Menschen gesehen, der frei davon ist? Wir unterscheiden gerne zwischen Menschen aus dem Westen, aus Indien oder dem Osten, und wir wenden diese Unterscheidung auch auf uns selbst an. Ungeachtet ihrer Herkunft sind Menschen nicht frei von diesen Feinden.
Wir alle haben eine yogische Natur und eine nicht-yogische Natur. Nehmen wir beispielsweise das Wort Opfer. Kann man diesen Begriff nicht auf alle anwenden? Manchmal musst du deine eigene Fröhlichkeit opfern, damit jemand anders sich besser fühlen kann; zum Beispiel eine Krankenpflegerin, die ihre Energie opfert, um einen Patienten zu pflegen, so als ob der Patient ihr einziges Lebensziel wäre. Die Pflegerin hat keine Beziehung zum Patienten. Welche Art von natürlichem Charakter braucht die Krankenpflegerin? Du musst mit Liebe erfüllt sein in Bezug auf die Arbeit, die du ausführst, mit einer Liebe, die für diese Tätigkeit notwendig ist. Natürlich arbeitest du für Geld, aber das heißt nicht, dass du die Verpflichtungen außer Acht lässt.
Wenn du bei Yoga ankommst,
wenn du Yoga lernen willst, dann gehörst du zur yogischen Familie.
Du kannst nicht Yoga machen und gleichzeitig bhogisch sein.
Also gibt es einen yogischen und einen nicht-yogischen Ansatz. Wenn jeder einen yogischen Ansatz hätte, würden wir uns nicht ändern? Menschen, die nicht jene yogische Natur und Herangehensweise innehaben, die werden sich nicht ändern. Du kannst es eine bhogische Natur nennen. Du kannst die Welt nicht aufhalten und es ist nicht unsere Aufgabe einzugreifen.
Ich werde nur sagen, dass du, wenn du bei Yoga ankommst, Yoga lernen möchtest, zur yogischen Familie gehörst. Also nimm das so an. Du kannst nicht Yoga üben und auf der Straße rauchen. Falls du das machst, dann muss ich dich zunächst freundlich darüber informieren, dass du mit dem Rauchen aufhören musst, da deine Lungen, dein Mund leiden werden und du im Kopf blockiert sein wirst. Oder ich muss dich auf eine spezielle Weise trainieren – dich bestimmte Āsanas und Pranayamas machen lassen, so dass du die Gewohnheit zu rauchen aufgeben kannst.
Bhogische Gewohnheiten und Yoga zusammen, das geht nicht. Stimmt, es braucht ein wenig Zeit, um die bhogischen Gewohnheiten oder bhogischen Muster loszulassen, aber nach und nach muss das enden. Ansonsten ist eine Yoga-Praxis nicht möglich. Entweder widmest du dich dem Yoga oder du verabschiedest dich davon und lebst mit Bhoga. Genau das sage ich meinen SchülerInnen. Ich spreche nicht von vornherein Verbote aus und sage ihnen, sie sollten nicht rauchen etc., obwohl ich sehr genau weiß, dass sie Raucher sind. Ich mache ihnen bewusst, dass sie rauchen. Dann muss jenen SchülerInnen klar werden, ob sie das eine oder das andere wollen.
Wenn jemand abends trinkt und am nächsten Morgen zur Klasse kommt, wie ist dann der Zustand dieser Person? Der- oder diejenige wird weder fähig sein zuzuschauen, noch irgendwas zu tun. Das Gehirn und die Nerven arbeiten nicht auf natürliche Weise – jene Weise, die du von ihrem Einsatz in der Yoga-Praxis forderst. Manchmal kannst du diese SchülerInnen vom gesundheitlichen Standpunkt her informieren, aus körperlicher Sicht auch – du kannst sie überzeugen, indem sie sich den Unterschied zwischen dem einen und dem anderen bewusst machen. Die Änderung kommt dann, und schließlich vielleicht auch Transformation. Zweitens sollten wir nicht denken, dass sich alles verändern, sich alles auf einmal ändern sollte. Das ist unmöglich. Du musst ihnen Zeit geben, um zu verstehen.
Bis zu einem gewissen Grad behandeln wir Yoga jetzt als einen Gegenstand, den wir wie eine Fremdsprache oder ein akademisches Themenfeld lernen müssen oder können. Ich könnte in eine Buchhandlung gehen und ein Buch kaufen, welches mich lehrt, eine Sprache zu sprechen und zu lesen. Ich habe mein Wörterbuch immer bei mir und schlage nach, was die Wörter heißen. Früher gab es noch keine akademische Erziehung von Kindergarten bis Schule, wo man angehalten wurde, mit bunten Klötzen zu spielen und dann erzogen wurde. Dasselbe sollst du auf Yoga anwenden. Du denkst, zuerst sollte ich dieses oder jenes wissen – ich sollte das Themengebiet rational verstanden haben. Aber eigentlich wird das Thema erst durch die Praxis begriffen, und das ist die Art und Weise, wie Yoga bei den Rishis gelehrt wurde.
Es stimmt, dass Patañjali Yoga in den Sutras kodifiziert hat. Aber schon vor Patañjali wollten die Rishis, die Yoga praktizierten, herausfinden, wie Jivatman und Paramatman, also individuelle Seele und universelle Seele, eins werden können mit der yogischen Praxis.
Sie wurden nicht unterrichtet in den Fragen, was die individuelle und was die universelle Seele ist. Warum sind wir nicht perfekt? Warum sind wir Menschen nicht perfekt? Wie man genau das wird, war ihre Herangehensweise ans Leben. Was ist, wenn wir einmal ernsthaft nachdenken, heutzutage eigentlich unser Ansatz im Leben? Die Antwort auf diese Frage lautet: „Wie verdiene ich viel Geld? Wie kann ich ein luxuriöses Leben führen? Wie kann ich das Leben genießen?“ Das ist der Hintergrund der Denkprozesse. Die Konzepte kreisen darum, etwas zu erlernen, um damit mehr Geld zu erwerben.
Damals: Wie können die individuelle und die universelle Seele eins werden
Heute: Bücherwissen und Geld verdienen
Das war nicht der Fall bei den weisen Rishis, die nicht daran gedacht haben, wie man Geld erwirbt und wie man es anlegt. Sie hatten Weitsicht! Und mit dieser Weitsicht wollten sie die Dinge betrachten. Auch wir müssen diese Originalität in uns wachrufen. Aber stattdessen verlassen wir uns auf angelesenes Wissen.
„Lass uns jenes Buch besorgen, lass es uns kaufen und lesen.“ Nach dem Lesen der Lektüre lernen sie kopfgesteuert und fragen: „Was ist Kundalini? Warum werden wir von euch nur körperlich unterrichtet?“ Und dann kommen sie und fragen: „Warum unterrichtet ihr physischen Yoga? Wir wollen spirituellen Yoga lernen!“
Wer hat gesagt, dass es zwischen physischem und spirituellem Yoga einen Unterschied gibt? Gibt es eine solche Trennung?
Du musst deine Natur, Prakrti, erobern bzw. herausfinden, auf welche Weise du deine Prakrti erobern kannst. Ebenso musst du deine Vāsāna bezwingen – dein Verlangen, deine Neigungen – und herausfinden, wie du sie durch deine yogische Praxis überwinden kannst. Wir, als die Lehrenden, können dir die Richtung zeigen. Aber schlussendlich ist es ein in der Praxis stattfindender Ansatz und der liegt bei dir.
Dein Verlangen musst du mit der yogischen Praxis besiegen.
Lehrer können den Weg zeigen, aber zielführend ist nur die praktische Herangehensweise deinerseits.
Wenn du morgens um neun Uhr Unterricht hast, kannst du kein schweres Frühstück zu dir nehmen und dann in der Klasse erscheinen. Unmöglich! Du musst zusehen, dein Verlangen in den Griff zu bekommen. Aber wenn deine Begierde zu essen allzu stark ist, musst du herausfinden, was du essen kannst, ohne deine Yoga-Praxis zu beeinträchtigen, oder ob du einen leeren Magen aushalten kannst. Es geht nicht darum, eine kleine Scheibe Brot oder irgendwelche Getränke zu sich zu nehmen. Darum geht es nicht. Es geht um den inneren Enthusiasmus. Was ist dein innerer Ansatz? Es geht nicht nur um das Üben von Āsanas und Pranayamas. Das ist nur, was die Außenstehenden sehen. Wenn ich zum Üben in eine Āsana-Unterrichtsstunde komme, dann siehst du mich, wie ich während dieser Zeit übe. Aber weißt du, was ich vorher getan habe?
Warum bist du aufgefordert, die Anrufungen aufzusagen, bevor die Unterrichtstunde beginnt? Wie viele von euch haben sich das schon gefragt? Wir tun es, um uns auf diese Gebete zu konzentrieren. Früher habe ich den SchülerInnen gesagt, wie sie sitzen sollen und jahrelang hielt ich es für selbstverständlich, dass sie es begreifen. Aber ich habe gemerkt, dass sie nicht aufrecht sitzen; dass sie sich nicht auf die Anrufungen konzentrieren. Diese Gebete sind auch Teil von Yoga. Ich glaube sehr wohl, dass das, was wir unterrichten, Meditation ist.
Guruji hat in diesem Zusammenhang verschiedentlich Stellung bezogen. Du kannst Dhyana nicht ausüben, wenn du nicht genug Wissen oder Ergebenheit besitzt. Entweder du hast das nötige Wissen, Jñana, über diesen Zustand, Ekagrata, oder du fühlst durch und durch Verbundenheit und Hingebung. Ohne diese beiden Fähigkeiten kannst du Dhyana nicht ausführen. Du kannst dem nicht zuvorkommen. Guruji stellt das ganz logisch dar. Solange Yama, Niyama, Āsana, Pranayama, Pratyahara und Dharana nicht realisiert sind, ist Dhyana nicht möglich. Weil Yoga heutzutage so populär geworden ist, haben wir jetzt das Problem, dass Leute beginnen, eine Klasse zu unterrichten und sagen, dass nur Āsanas gelehrt werden oder nur Āsanas und Pranayamas.
Viele setzen Āsanas und Yoga gleich. Sie kündigen Yoga an und dann wird Meditation unterrichtet. Was ist der Unterschied zwischen Yoga und Meditation? Wir schaffen das Problem mit den Worten, die wir gebrauchen. Zuerst wird eine Stunde Yoga-Unterricht abgehalten und im Anschluss daran eine Stunde Meditationsunterricht – wie ist das möglich, ein Yoga-Unterricht, der nicht Meditationsunterricht ist? Meditation gehört zu Yoga. Am Ende muss sich unsere Natur ändern, oder nicht?
Es ist einfach falsch, eine Unterscheidung vorzunehmen zwischen physischem, spirituellem oder mentalem Yoga.
Wenn ich dich auffordere, gewisse Dinge in einem Āsana zu tun, gewisse Stellen innerlich genauer zu betrachten, musst du darüber nicht meditieren? Sogar wenn dein Knie, dein verletztes Knie, in der korrekten Ausrichtung arbeiten muss – womöglich verweise ich auf sämtliche Körperteile und Techniken – Patella, Schienbeine, die Quadrizeps Muskeln, Oberschenkelmuskeln, aber trotzdem musst du „hineinschauen“ in dein Knie. Wenn du zu der Schlussfolgerung kommst, dass dies physisch sei, weil ich mich darauf bezogen habe, das Knie zu beugen, den Quadrizeps ansprach, die Kniescheibe, die Kniehinterseite, die Beinrückseiten etc., dann ist das dein Nichtwissen. In welchem Umfang muss dein mentaler Körper sich anstrengen, dein Geist sich um dieses Knie bemühen, damit es sich beugt oder streckt? Ist diese mentale Beteiligung nicht wichtig in diesem Geschehen? Musst du dich nicht konzentrieren, um herauszufinden, auf welche Weise das Knie arbeitet, in welche Richtung oder wie es funktioniert – wie die Fasern sich öffnen lassen? Wenn du aber leider diese Aktion und dieses Zusammenspiel als körperlich bezeichnest, wessen Schuld ist das? Wer bist du, solche Unterscheidungen zu treffen? Als SchülerIn, wer bist du, zu glauben, du könntest unterscheiden, was physisch und was mental ist?!
Es ist einfach falsch, eine Unterscheidung vorzunehmen zwischen physischem, spirituellem oder mentalem Yoga.
Warum zog sich Arjun auf seinem Schlachtwagen zurück und fragte sich: „Ich will jetzt nicht kämpfen.“ Er war ein mächtiger Mann! Als Krieger hatte er alle Fertigkeiten und große Stärke – und doch, im Angesicht seiner eigenen Leute – Familie, Lehrer, Freunde – zieht er sich zurück und sagt, er könne nicht kämpfen. Willst du wirklich behaupten, dass ihn seine körperlichen Kräfte verließen – derselbe Körper, dieselben Muskeln, mit denen er danach kämpfen würde? Er war in einem beklagenswerten Zustand und wollte den Grund dafür wissen. „Warum muss ich gegen diese Menschen im Kampf antreten?“ Er sagt, es seien seine eigenen Landsleute. Er ist in einem beklagenswerten Zustand, und sein Körper beginnt zu zittern, sein Mund wird trocken. In diesem Moment ist er wie ein psychisch kranker und therapiebedürftiger Patient. Aber dann eröffnet Krishna ihm die philosophische Einstellung zum Leben – und ist er nicht herauskommen aus seinem Zustand? Schlussendlich stellt er sich dann als der Gewinner heraus. Trenne Yoga also nicht in körperlich und mental – das führt dich nirgendwo hin.
Alles was Guruji will, ist ein ehrlicher Ansatz von dir, dein ganzes Engagement.
Es gibt keine Klarheit, wenn dein mentaler Einsatz nicht absolut uneingeschränkt ist.
Guruji sagt nicht, das ist mein Yoga – mein Iyengar-Yoga. Hat er es je irgendwo gesagt? So nennen die Leute es. Aber was er will, ist eine ehrliche Herangehensweise, nicht etwas Unverbindliches, so wie das Spiel von Kindern. Setze dein gesamtes mentales Bemühen ein.
Obwohl es für Außenstehende so aussehen mag, als wäre Āsana eine äußerliche Betätigung – oder Bahiranga – , fordert Guruji dessen ungeachtet dein ganzes Engagement. Es gibt keine Klarheit, wenn dein mentaler Einsatz nicht absolut uneingeschränkt ist. Ansonsten üben die Leute ein Āsana nach dem anderen, sind aber nicht aufmerksam bei der Sache. Der Körper biegt sich so, wie er es will. Guruji akzeptiert das nicht. Das ist der Ansatz, der einzig wirkliche Ansatz. Bist du im Begriff yogisch zu werden oder wirst du bhogisch? Sadhana vertieft sich fortlaufend. Du dringst tiefer und tiefer vor, und das geschieht nicht an einem Tag, sondern es braucht Jahre.
Yoga ist nicht wie löslicher Kaffee oder Fertiggerichte. Bei all der moralischen, ethischen Erfahrung und Aufmerksamkeit, deiner körperlichen Übungspraxis und ihren Auswirkungen auf die Physiologie, deiner mentalen Anstrengung, bei all dem muss sich dein Geist verändern, dein Verstand muss mitmachen und begreifen. Selbst wenn du nicht an Gott, aber doch an deine eigene Existenz glaubst, dann kannst du auf jeden Fall deinen Verstand neu ausrichten, was jedoch manchmal schief geht.
Die Tiefgründigkeit der Materie muss verstanden werden. Es ist besser, ganz von vorne anzufangen. Als du ein unbedarftes Kind warst, konntest du weder lesen noch schreiben. Möglicherweise haben deine Eltern dir einige Geschichten erzählt – dann hast du mit der Schule begonnen, dann musstest du lernen, du hast angefangen zu lesen und zu schreiben, man hat dir das Alphabet beigebracht. Das lief doch Schritt für Schritt, oder?
Geben wir selbst uns die Zeit für diesen inneren Reifungsprozess? Der physische Körper braucht ebenfalls diese Reife. Manche behaupten, sie wüssten, dass die Āsanas und Pranayama dazu dienen, in Kontakt mit dem Inneren zu kommen, dass sie aber in der äußeren Welt feststeckten und sich nicht weiter entwickeln könnten.
Es ist wahr, dass du Geld für deinen Lebensunterhalt verdienen musst, aber musst du so viel verdienen, um damit einen Palast zu bauen? Ist es notwendig, einen Palast zu bauen? Du kannst Yoga nicht von deinem Alltag und Leben trennen.
Wenn du nicht viel Zeit hast, dann machst du vielleicht eine halbe Stunde lang Pranayama und eine Stunde lang Āsana, weil du die restliche Zeit mit deinem Beruf, deinem Verdienst, deinem Haus und deinen Verantwortlichkeiten beschäftigt bist.
Ich betrachte die chronologische Zeit nicht als Beschränkung, aber sind diese Auseinandersetzung, diese Involviertheit wirklich die ganze Zeit da? Mein Geist kann nicht zu einem Teil bei Pranayama und zum anderen Teil irgendwo anders sein.
Bitte begreift das. Deine Praxis muss vollkommen von deinem Engagement durchdrungen sein. Guruji hat daran gearbeitet, inwieweit sich ein solches Engagement verwirklichen lässt; auf welche Weise man diese Penetration erzielen kann!
Wie wirst du dieses Engagement – dieses tiefe Durchdringen – verwirklichen? Als Gurujis SchülerInnen müsst ihr auch das verstehen. Ansonsten kannst du all die Āsanas machen, aber deine innere Beteiligung in diesen Āsanas ist es, was dabei von allerhöchster Wichtigkeit ist. Wie wirst du das korrigieren – wie wirst du das verbessern? Wie wirst du deine Korrekturmaßnahmen bewerkstelligen?
Selbst wenn dies dein äußerer Körper ist – sagen wir, dass du heute dein Janu Sirsasana übst um deiner Leber willen, die nicht ordentlich funktioniert. Du musst dort eindringen und gleichzeitig Aufmerksamkeit darauf verwenden, wie dein Geist dabei arbeitet. Denn wenn du mit innerer Beteiligung dabei bist, dann wird die Zeit kommen, wo dein bewusstes Üben an der Leber oder an jenem Bereich des Körpers, auf den sich dein Üben gerade richtet, zu neuem Leben und mehr Lebendigkeit führt; Weichheit wird entstehen. Die Leber, falls sie angeschwollen oder hart wie Stein ist, wird weich werden. An genau diesem Punkt, tauchst du da nicht tiefer in Janu Sirsasana ein?
Wir sind besorgt wegen der Meinung der Außenstehenden, die das alles als körper-orientierten Yoga bezeichnen. Das regt dich auf! Wenn jene ihre Augen schließen, denken sie, das sei spiritueller Yoga. Aber wer hat das behauptet? Wenn es keine innere Beteiligung gibt, dann ist es körperliche Übung.
Es ist kein spiritueller Yoga, wenn du die Augen schließt!
Wenn es keine innere Beteiligung gibt, dann ist es körperliche Übung.
Es gibt eine schöne Geschichte. Es war einmal ein Bauer, der betete jeden Morgen zu dem göttlichen Vishnu, bevor er das Feld bestellte. Mit großem Engagement verrichtete er seine Arbeit. Vishnu erzählt Narada, dass jener Bauer sein wirklicher Anhänger sei. Narada entgegnet, dass der Bauer ja nur einmal am Morgen kurz beten würde, wie könne dieser also Anhänger genannt werden, während er selbst ihn die ganze Zeit anbetete. Vishnu gebietet daher Narada, hinzugehen und zu sehen, auf welche Weise der Bauer betet, was nur zwei bis drei Minuten ausmacht. Narada versteht es nicht.
Vishnu übergibt Narada ein Gefäß, das bis an den Rand mit Wasser gefüllt ist, und fordert ihn auf, damit dreimal um den Tempel zu gehen. Dein Geist soll ganz mit dem Wasser verbunden sein, so dass es nicht überschwappt, und du sollst auch den Namen Gottes „Om Namo Narayana“ singen. Vishnu fragt ihn hinterher: „Wie oft hast du dich an mich erinnert, während du um den Tempel gingst?“ „Ich befürchtete, das Wasser könne überlaufen, deshalb habe ich gar nicht deiner gedacht“, antwortet Narada. Da sagt Vishnu: „Du musst dies verstehen. Da gibt es einen Bauern, der die ganze Zeit arbeitet, aber dabei die ganze Zeit an mich denkt. Aber wenn du ein mit Wasser gefülltes Gefäß umherträgst, schaffst du es nicht, an mich zu denken. Was der Bauer tut, das ist Karma-Yoga. Alle Früchte deines Handelns sind Gott gewidmet, daher sind die Gedanken des Bauern an mich gerichtet. Deshalb ist er mein wirklicher Anhänger – mein wirklicher Bhaktan, und nicht du bist es.“ Daher ist das Meditation!
Ich bin und werde mit diesen Unterscheidungen nicht einverstanden sein – ich teile nicht die Auffassung, es gebe diesen oder jenen Typ von Yoga. Ich habe kein Verständnis für diejenigen, die zu wenig Zeit haben. Wenn dein Engagement zunimmt, dann wird der Weg dir automatisch bewusst werden.
Fotos: Roads To Bliss / RIMYI-Archiv / Yoga für die Frau / Rita Keller und Iyengar Yoga Institut China





